Krankenhaus – und was kommt dann?

Eine schwere Erkrankung oder ein Unfall wirft das gewohnte Alltagsleben durcheinander. Man landet im Krankenhaus, der Patient oder seine Angehörigen können schnell in eine Ausnahmesituation geraten – eventuell stehen sogar schwierige Entscheidungen an. Und das gerade in einer Situation, wo man sich überfordert fühlt.

Zum Glück gibt es dafür das Überleitungsmanagement, früher auch als „Sozialdienst“ bekannt. Diplom-Sozialarbeiter Martin Lorenz und sein fünfköpfiges Team vom Diakoniewerk Gelsenkrichen und Wattenscheid beraten vor Ort im Evangelischen Krankenhaus. „Wir bieten Organisation und Information zu relevanten Themen an: Bei Pflegebedürftigkeit, zur Rehabilitation, in Krisensituationen, bei Fragen zur Schwerbehinderung, zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung und zur gesetzlichen Betreuung.“

Ein tolles Angebot, das sogar seit letztem Jahr gesetzlich verankert ist und sich „Entlassmanagement“ nennt. Jeder Patient hat das Recht auf umfassende Beratung, bevor er aus dem Krankenhaus entlassen wird. Denn jeder Fall ist unterschiedlich. In den Evangelischen Kliniken nehmen etwa 15 Prozent der Patienten das Angebot des Überleitungsmanagements wahr, wenn sie ein zu erwartendes Problem nach dem Krankenhausaufenthalt haben.

„Denn es gibt viele Möglichkeiten der Hilfe und immer eine Lösung“, erklärt Lorenz. Das kann die Vermittlung einer ambulanten oder stationären Rehabilitation sein. Oder die Beantragung eines Pflegegrades. Darüber hinaus kann es auch eine Kurzzeitpflege oder sogar den Aufenthalt in einem Heim oder Hospiz bedeuten. Lorenz und sein Team sehen sich als Anwälte der Patienten, die darauf bedacht sind, eine sinnvolle Idee zu entwickeln.

Dies kann auch die sogenannte familiale Pflege bedeuten. Dahinter verbergen sich „niederschwellige Hilfen“, also Betreuungsangebote, mittels derer zum Beispiel Ehrenamtliche unter pflegefachlicher Anleitung ihre Angehörigen oder Freunde betreuen. Etwa, wenn jemand nach einem Krankenhausaufenthalt noch wackelig auf den Beinen ist. Manchmal hilft es auch alleinstehenden Personen oder Nachbarn aus der Isolation heraus.

Schon während des Krankenhausaufenthalts gibt es Infos über häusliche Unterstützung oder man trainiert bereits am Patientenbett bestimmte Pflegetechniken und probiert die verschiedenen Hilfsmittel aus.

Katharina Polonski vom Diakoniewerk Gelsenkirchen und Wattenscheid e. V. ist eine weitere, sehr wichtige Ansprechperson, denn sie ist auch für die Sozialberatung der Wohnungsbaugenossenschaften zuständig. Es sei ein großer Segen, so Lorenz, dass es für die Mitglieder einen solchen Service gibt, denn das ist keine Selbstverständlichkeit. „Die Sozialarbeit wird heutzutage immer wichtiger, gerade auch wenn man erkrankt und sich die Lebensumstände gravierend ändern.“

Er trifft oft auf Patienten, die Mitglied in einer der Gelsenkirchener Genossenschaften sind und stellt die Erleichterung fest, wenn Lösungen für akute Probleme in Sicht sind. Doch: „Man muss sich jedoch helfen lassen und darauf einlassen. Aber wir zwingen natürlich niemanden.“ Er sieht es als gut gemeintes Angebot. Etwa auch für alleinstehende Mitglieder oder ältere Paare, die nach einer Krankheit der geliebten Person Hilfe suchen. Und diese erhalten sie ganz diskret und pragmatisch.

Wer mehr über die Arbeit des Teams vom Überleitungsmanagement wissen möchte, kann sich im Internet unter www.evk-ge.de einen Flyer herunterladen. Die Mitarbeiter sind auch wochentags telefonisch unter 0209 / 1604657 erreichbar. Auch die Schwestern und Ärzte der Evangelischen Kliniken können im akuten Fall einen Kontakt herstellen.


Gesprächspartner:

Martin Lorenz ist seit 15 Jahren als Sozialarbeiter in Gelsenkirchen tätig. Zuvor hat er im Marienhospital gearbeitet. Der 48-Jährige hat in Bochum studiert und leitet ein Team aus fünf Mitarbeitern. Er entwickelt die pflegerischen Prozesse weiter und berücksichtigt dabei auch besondere individuelle Gesichtspunkte.

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